Pöllau im Vorfeld der MusikschulgründungDer historische Markt Pöllau ist eingebettet in die reizvolle Landschaft des Naturparks Pöllauer Tal. Die Vielfalt zeigt sich in baulichen Sehenswürdigkeiten des Ortes und den zahlreichen kulturellen Aspekten. Das Musikleben der Region hat sich aus verschiedenen Wurzeln entwickelt, wobei das Augustiner-Chorherrenstift eine wichtige Rolle spielt. Auch wenn die Quellen zur Frühgeschichte des Pöllauer Tales spärlich fließen, so wissen wir doch, dass die handelspolitisch günstige Lage des Ortes nicht nur einen beträchtlichen Wohlstand, sondern auch einen hohen Stand aller kulturellen Belange mit sich brachte. Wertvolle musikalische Impulse erhielt der Ort durch das Wirken des Augustiner–Chorherrenstiftes, dessen Ausgabenbuch Zeugnis von der Ausübung einer hoch stehenden sakralen Musik ablegt. Aber auch für die profane Musik war Pöllau mit seinem Marktplatz ein ständiger Anziehungspunkt für fahrende Spielleute, wie ein Schreiben des Abtes von Rain an die Bürgerschaft von Pöllau im Jahr 1781 beweist. Nach Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes im Jahre 1785 wurde das Andenken an eine gemeinsame musikalische Vergangenheit in den Bürgerhäusern weiter gepflogen. Darüber hinaus erfahren wir aus den Quellen, dass um das Jahr 1850 die Lehrer der Trivialschule bereits privaten Musikunterricht erteilten und damit das kulturelle Leben des Ortes auf eine breitere Basis gestellt wurde. Nach der Einführung der Selbstverwaltung der Gemeinden stellte das Wirken von Dechant März in den Jahren von 1860 bis 1866 zweifellos einen ersten Höhepunkt des bürgerlichen Musiklebens in Pöllau dar. Der von März im Jahre 1860 gegründete Musik- und Gesangsverein, die in Kirchenchor und Blaskapelle betriebene vereinsmäßige Musikausübung sowie das häusliche Musizieren standen im Mittelpunkt der künstlerischen Betätigung und bewirkten, dass sich der Ort zu einem musikalischen „Gravitationszentrum“ ersten Ranges entwickelte und zu jener Zeit den musikalischen Vergleich mit Graz nicht zu scheuen brauchte. Mit dem Tod von Dechant März im Jahre 1866 ging dieser Höhepunkt des musikalischen Lebens in Pöllau vorläufig zu Ende. Obwohl die Musik in Pöllau weiterhin in Ehren gehalten wurde und es niemals an Organisten und Lehrern mangelte, welche Musikunterricht erteilten, so fehlte doch eine mit Visionen und organisatorischem Geschick ausgestattete Persönlichkeit, um an die Ära Dechant März anzuschließen. Eine solche überragende Persönlichkeit betrat Ende der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts mit Kaplan Dr. Anton Lippe die musikalische Bühne. Dieser Mann - er stieg später zum Hofkapellmeister in Wien und zu einem der führenden Chorfachmänner Österreichs auf - gab dem Pöllauer Musikleben neue Impulse und initiierte das drei Tage dauernde Musikfest im Jahre 1929, welches eine musikalische und organisatorische Leistung ersten Ranges war und allen Beteiligten aufgrund der hohen musikalischen Qualität der aufgeführten Werke in bester Erinnerung geblieben ist. Die Gründung der MusikschuleDie Erinnerung an das gemeinsame musikalische Erbe blieb im Gedächtnis vieler Pöllauer Gemeindebürger lebendig und wurde zur Triebfeder im Denken und Handeln jener Musiker, welche Mitte des 20. Jahrhunderts die Bühne betraten und denen es vorbehalten blieb, die Basis für die weitere künstlerische Entwicklung zu legen und die damit dem Ort in kultureller Hinsicht einen unschätzbaren Dienst erwiesen haben. |
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